#KissedByElectrones – Wie alles begann.

Kunterbunte Geschichten

aus dem RasterElektronenMikroskop

– Wie alles begann.

Loetkolben2a

31.03.2013 by Stefan@MyTree.CH

Es war einmal…

… in einer Zeit in der es noch keine Playstation gab. In einer Zeit in der 6 TV-Kanäle und ein drittel davon in einer fremden Sprache das gesamte Spektrum der audio-visuellen Unterhaltung darstellten. Es war die Zeit in der man DOS-Befehle kennen musste um ein Computer-Programm zu starten. Das „Neffle vom Äffle“ auf ARD und die Mainzelmännchen waren die eigentlichen Stars des abendliches TV-Entertainments.

Youtube? Hä? Facebook? Was? Es gab Fotoalben mit Fotos aus Kameras mit Platz für 36 Fotos auf einem Film und die wirklich coolen Familien hatten einen Video-Recorder, und eine Kamera, die eher wie Ghetto-Blaster aussahen. Wenn man etwas mit dem Nadeldrucker ausdruckte, wackelte der Tisch. Die Bildqualität entsprach dann dem ohrenbetäubenden Geräusch, das während einer gefühlten haben Stunde für eine A4-Seite beim Drucken im ganzen Haus zu hören war.

Die Zeit in der man sich ohne Mobilfunktelefon an einem Ort getroffen hat und nicht ständig Termine per SMS verschieben konnte. Die gute alte Zeit eben. Flash Gordon, Flipper, Fiury, Alf und Lassie waren zusammen mit Pipi Langstrumpf, Nils Holgerson, und Michel aus der Suppenschüssel unsere TV-Helden. Nicht zu vergessen NightRider und MacGyver. Die waren quasi die Überhelden. Es waren Serien in denen „die Guten“ am Schluss siegen. Filme mit wahren Werten auch wenn diese vielleicht nicht immer als pädagogisch wertvoll erachtet wurden. Im Vergleich zur Pokemon-Generation ging es immer um reale Abenteuer von realen Protagonisten. So unwahrscheinlich einige dieser Geschichten auch sein mögen so inspirierend und lehrreich zugleich waren sie.

Eben in dieser Zeit ist es es geschehen: Ich wurde das erste Mal so richtig von Elektronen geküsst – respektive durchgeschüttelt. Beim Versuch herauszufinden welcher der beiden Lötkolben sich denn nun schneller aufheizen würde, nahm der Strom den Weg des geringsten Widerstandes: direkt durch meinen Körper. Da sich in diesem Moment die Muskeln in meinen Händen verkrampften, konnte ich rein gar nichts mehr machen. Weder loslassen noch sonst etwas. Ich fühle in diesem Moment wie sich jemand auf dem elektrischen Stuhl fühlen muss. Nur dass ich mit den beiden Lötkolben in den Händen mein eigener Vollstrecker war. Das Schicksal hat es noch einmal gut mit mir gemeint denn sonst könntest Du ja diese Zeilen, welche 2 Jahrzehnte später auf einem Labtop in einem Zug von Bern nach Zürich geschrieben wurden, gar nicht lesen. Was ist also passiert? Paralysiert von 220 Volt Wechselstrom stand ich da und konnte rein gar nichts machen. Das grosse Glück war wohl, dass das Kabel des einen Lötkolbens kurz genug war um beim Hinfallen genügend gestreckt zu werden damit der Stecker aus der Dose gezogen, und somit der Stromkreis unterbrochen wurde. Planen hätte ich ein solche eine Erfahrung nicht können, da mir das Wissen in meinem jugendlichen Experimentierfreudigkeit und Leichtsinn einfach fehlte. Dieses Erlebnis war jedoch sehr prägend, da wohl noch nie soviel Adrenalin in mir freigesetzt wurde. Euphorisiert von dieser Nahtod-Erfahrung änderte sich meine Sicht auf die Welt schlagartig.

Im wahrsten Sinne des Wortes wurde ich von Elektronen nicht nur geküsst sondern vergewaltigt. Vergewaltigt dazu zu verstehen und zu fühlen, wie es ist, wenn Strom durch das Herz von der einen zur anderen Hand fliesst und sich jede einzelne Muskelzelle verkrampft und man dabei rein gar nichts machen kann. Wie lange diese Situation angedauert hat, kann ich nicht sagen. Strommarken hat es jedenfalls keine gegeben. Direkt nach dieser bewusstseinserweiternden Erfahrung wusste ich nicht, was ich tun sollte. Waren es Tränen der Todes-Angst oder Tränen der Freude? Wahrscheinlich beides miteinander vermischt. Meinen Eltern habe ich nie etwas von diesem Event erzählt, da ich Sanktionen im Umgang mit Elektronik befürchtet habe. Meinem späteren Wunsch Elektroniker zu werden stand dann aber leider meine Rot-Grün-Farbblindheit im Wege und so sollte ich wie mein Grossvater und mein älterer Bruder zu einem sogenannten „Guterli-Wäscher“ werden. In meiner Lehre als Chemielaborant in der LONZA in Visp habe ich dann auch das erste Mal ein REM gesehen und war so davon fasziniert, dass ich meinen Berufsschullehrer dazu überredet habe einen Vortrag über das REM machen zu dürfen. Meine Begründung war, dass man auch später im Leben Vorträge halten müsse. Aber eigentlich wollte ich nur möglichst viel über diese Technologie erfahren. Das Wolfram-Gerät hatte noch einen extrem grün leuchtenden Bildschirm und die erste Biene, die ich dann selber mit Gold beschichten durfte, hat meiner Faszination für den Mikrokosmos natürlich zusätzlich gesteigert. Nach meinem Chemiestudium an der Fachhochschule in Sion, konnte ich in verschiedenen Firmen sowohl in der Aluminium wie auch in der Pharmainsdustire in verschiedenen Funktionen Erfahrungen sammeln. Bei einer internationalen Pharmafirma mit einer Zweigstelle im Zürcher Oberland habe ich zu viele ethische Fragen über Tierversuche gestellt und wurde nach meinen Ferien freigestellt.

So begann ich bei einer anderen internationalen Firma in Luzern und bis zu dem Tag an dem mein befristeter Vertrag bei dieser Pharmafirma aufgrund eines „globalen Hire-Freeze“ nicht verlängert werden konnte. Zufall oder Schicksal: Just in dieser Zeit fand ich ein Inserat der Kantonspolizei Bern, die jemanden für das RasterElektronenMikroskop suchten. Meine Chancen für eine Anstellung habe ich nicht sehr hoch eingeschätzt, da ich als Walliser in Bern wahrscheinlich zur 2. Wahl gehören würde. Die Bewerbung und Anstellung sollten dann Monate später folgen.
Heute ist es so, dass ich mit einem 20 jährigen ZEISS DSM 940 A REM-Gerät an internationalen Ringversuchen mit unglaublich hohen Wiederfindungsraten abschliesse und seit 4 Jahren Schmauchpartikel bis in den Sub-Mikronbereich nachweisen kann. Obschon es nicht viele Delikte mit Schusswaffen gibt, kann das REM beim Kanton Bern routinemässig für die Bestätigung von Schmauchpartiklen aus Suiziden herangezogen werden.

Nun leben wir in einer Zeit, die von Elektronen beherrscht wird. Sie machen nicht nur Bilder mit hoher Schärfentiefe möglich, sondern sie fliessen wie das Geld um die ganze Welt, transportieren Informationen, fliessen in jedem Körper, in jeder Substanz und jeder einzelnen chemischen Verbindung. Ja, wir leben in heutzutage in einer Zeit, in der man in einem Migros-Sack am Strassenrand je eine Playstation II und eine Playstation 3 mit einem Post-It Zettel „Spukt :-(“ am Strassenrand findet. Wir leben in einer Zeit in der Wissen einen Klick weit weg ist, Musik und sehr viele andere Inhalte kostenlos auf dem Netz zu finden sind und jeder mit jedem auf mehreren Kanälen kommunizieren kann. Wir leben aber auch in einer Welt, in der viele Leute nicht mehr abstellen können und darum ein Burnout kriegen.

#KissedByElectrones resp. #KBE ist nicht nur der Name der Ausstellung sondern auch der Instagram und Twitter Hashtag, welcher täglich für viele Leute zugänglich ist. Ziel der Ausstellung ist es keine Elektronen aus dem Stromnetz zu beziehen, sondern selbst durch menschliche Muskelkraft einen Generator mittels Tandem anzutreiben. Die Licht emittierende Diode (LED) ermöglicht es dieses Ziel zu erreichen. Sowohl der Beamer wie auch alle Beleuchtungselemente basieren auf dieser Technologie, die es schon viel zu lange gibt. Dem Gewinnmaximierungsdrang der grossen Lampenhersteller und deren Absprachen untereinander sowie der Ignoranz der Politik für geplante Obsoleszenz, haben wir diese Verzögerung und Zusatz-Umweltverschmutzung mit Quecksilber-Sparlampen zu verdanken.

Wenn wir unseren Kindern einen Welt hinterlassen wollen, die noch lebenswert ist, sollten wir endlich damit anfangen eigenverantwortlich zu handeln. Wie das gehen soll? Kommen Sie an unsere Ausstellung und sehen Sie die Synergien die sich ergeben, wenn man zu zweit oder zu dritt eine neue Welt erkunden kann, die dem menschlichen Auge normalerweise verborgen bleibt.

Ich freue mich schon jetzt auf Ihren Besuch und Ihr Feedback im elektronischen Gästebuch. Teilen Sie uns mit eine paar netten Elektronen mit, was Sie als wandelnder Atomhaufen mit Ihrem funktionierenden neuronalen Netz, das ohne Elektronen nicht funktionieren würde, von der grenzüberschreitenden Interpretation von Dieter Telfser und mir halten. Lass es fliessen, lass es spriessen! 50% des Gewinns dieser Ausstellung wird an newTree.org gespendet. Zusätzlich soll http://www.tandem91.ch und die fantastische Arbeit der involvierten Leute in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden.

Löwenzahn

Abschalten

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